Disruption durch ICOs im VC-Geschäft angekommen

Spätestens seitdem ICOs (Initial Coin Offerings) im ersten Halbjahr 2017 das Volumen von klassischen Kapitalerhöhungen bei der Finanzierung von Startups im Blockchain- und Cryptocurrency-Umfeld überholt haben, ist die Diskussion rund um eine generelle Disruption des VC-Geschäftes breit angefacht worden. Mit dem Kauf von größeren Token-Paketen vor Public ICOs zu Vorzugsbedingungen durch namhafte VC-Firmen zeigt sich bereits die durchschlagende Wirkung (siehe z.B. 52 Millionen USD Presales vor dem Filecoin ICO unter Beteiligung von Union Square Ventures and Sequoia). Mit den ersten ICO Fonds, die sich ausschließlich auf Investments über ICOs konzentrieren (z.B. 100 Millionen ICO Fonds von Pantera), hat sich die Diskussion im Sommer dieses Jahres bereits in konkrete Umsetzungsschritte weiterentwickelt. Aktuell sind mindestens ein Dutzend weitere ICO Fonds in Vorbereitung.

Was sind die generellen Vorteile, die sich daraus für das VC-Geschäft ergeben?

Aus Sicht der VCs steht dabei die sofortige Liquidität und die globale Erreichbarkeit im Vordergrund. Aus Sicht der Startups besteht die Möglichkeit, auch ohne einen extrem großen Zielmarkt und ohne eine extrem überdurchschnittliche Zielrendite an Kapital zu kommen. Über eine geschickte Gestaltung eines ICOs incentiviert man die fachkundigen Early Adapters und baut eine Community an Nutzern auf, die aufgrund ihres aktiven Beitrags für die Community von der frühen Wertsteigerung partizipieren können. Bisher konnten innovative Geschäftsideen in Nischen kein VC-Geld erhalten, da aufgrund der Logik des klassischen VC-Geschäfts jede finanzierte Firma das Potential haben musste, die gesamten investierten Mittel eines Fonds allein zu refinanzieren. In der immer noch frühen Marktentwicklung der ICOs sind auch Token von sehr jungen Teams sofort handelbar, so dass man im Zweifel schnell wieder an Liquidität kommen kann und das Risiko des Totalausfalls pro Firma sinkt.

Aufgrund der zunehmenden Zahl an ICOs und der dabei unvermeidlichen Fehlschläge wird die Bedeutung der Prüfung von Teams und Themen für Geldanleger nach dem Anfangshype wieder steigen, so dass klassische VC Manager wohl auch in Zukunft ihren Job nicht verlieren werden. Es ist zu erwarten, dass für die Finanzierung einer B2C-Firma nach einer guten Seed- und A-Rundenfinanzierung durch VCs der nächste Schritt in Zukunft in einem gut vorbereiteten ICO (inklusive ICO-Roadshow, Social Media Kampagnen, etc.) liegen wird.

Es sieht danach aus, dass ICOs als Mittel zur Innovationsfinanzierung zu einer Verschiebung der Machtverhältnisse in der VC-Industrie beitragen werden. Auf einmal sind sogar große zentralistische Internet-Dienstleister wieder durch neue Ideen angreifbar, da der Community-Gestaltung neben der Finanzierung über VCs eine große Rolle zukommt. Frühe Nutzer werden also ganz bewusst an der Wertschaffung beteiligt, so der Einfluss von wenigen großen VC-Firmen voraussichtlich sinken wird. Dieser Trend sollte insbesondere dem Innovationsklima in Emerging Markets in Afrika und Asien, aber auch in Europa zugutekommen.

 

Ergänzender Hinweis in eigener Sache: Bei Leondrino Exchange (siehe www.leondrino.com) ist übrigens parallel zu einer Seed- und A-Rundenfinanzierung von Startups eine Verteilung von Token an die Community schon von Anfang an möglich. Über einen definierten Standard-Lifecycle mit einer klaren Unterscheidung zwischen ITO (Inital Token Offering), ICO (Initial Coin Offering) und ILO (Initial Leondrino Offering) wird der Handel und die Zahl der kaufbaren Token aber in frühen Phasen noch bewusst beschränkt und Schritt für Schritt angehoben, um extreme Schwankungen und Risiken zu vermeiden und den Markenaufbau und die Akzeptanz innerhalb der Community nicht zu gefährden. Basierend auf dem Leondrino Lifcycle und den dort definierten Tokenlassen kann ein Unternehmen sofort starten und schrittweise in die regulatorischen Anforderungen für voll handelbare private Currencies hineinwachsen.